Der Trauma-informierte Ansatz
„Das Symptom ist wie der Schmerz, nur ein Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Glücklich ist, wer ein Symptom hat.“
Erich Fromm
Ein grundlegend anderes Verständnis von psychischer Gesundheit.

Der traumainformierte Ansatz nach der britischen Psychologin Dr. Jessica Taylor1 möchte ein neues, anti-pathologisches Verständnis von psychischem Leid und psychischer Gesundheit etablieren.
Verhalten, Gedanken und Gefühle, die aufgrund von traumatischen Erfahrungen oder belastenden Lebensumständen entstehen, werden als normal, nachvollziehbar und angemessen verstanden – nicht als „Symptome psychischer Erkrankungen“.
Das P in Psychiatrie steht für Pathologisierung
Alle psychosozialen und psychiatrischen Systeme in westlichen Gesellschaften basieren auf medizinischen Ansätzen zu psychischer Gesundheit: Diagnosen, Psychopharmaka, Symptombehandlung, Pathologisierung.
Nach dem traumainformierten Modell gibt es keine psychischen „Erkrankungen“. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, wie Armut, Diskriminierung, Unterdrückung, Missbrauch, Gewalt- oder Verlusterfahrungen, chronischer Stress, Verletzungen, Krankheit etc., die als traumatisch oder belastend erlebt werden können.
Das kann zu Reaktionen führen und großen Leidensdruck verursachen – auch dann noch, wenn die Ereignisse bereits Jahre zurückliegen:
All diese Reaktionen sind laut dem traumainformierten Modell aber keine „Symptome“ psychischer „Erkrankungen“. Sie sind sinnvolle Ausdrucksformen unserer Psyche.
Die Psychiatrie muss entindividualisiert werden.
Medizinischer Ansatz
Unzureichende Versorgung
„Behandlung“ konzentriert sich auf Diagnose, Medikation und Symptomreduktion – ohne die Ursachen von psychischen Belastungen und Traumata ausreichend zu berücksichtigen.
Stigma bleibt bestehen
Selbst- und Fremdbild von Betroffenen als „mangelhaft“ – als Individuen mit „psychischen Erkrankungen“ –, was der Entstigmatisierung diametral entgegensteht.
Wenig Anreiz für strukturelle Reformen
Politische Entscheidungsträger:innen sehen wenig Handlungsbedarf, um systemische Umstände, die psychische Belastungen fördern, zu verändern.
Trauma-informierter Ansatz
Ganzheitliche Unterstützung
Trauma-informierte, anti-pathologische, menschenwürdige, ressourcenorientierte und gesamtgesellschaftliche Versorgung. Für echte, nachhaltige Recovery.
Echte Entstigmatisierung
Keine Unterscheidung zwischen „Kranken“ und „Gesunden“. Wir alle sind Menschen mit Traumaerfahrung – mit der richtigen Unterstützung kann jede:r Recovery erfahren.
Politische Verantwortungsübernahme
Durchführung wichtiger Reformen, um systemische Ursachen für psychische Belastungen zu mindern. Bereitstellung von Ressourcen für ganzheitliche Versorgung.
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Quellen
- Taylor, Jessica Dr & Shrive, Jamie (2023): Indicative Trauma Impact Manual – ITIM for Professionals – A nondiagnostic, trauma-informed guide to emotion, thought, and behaviour ↩︎